Rede vom Parl. Staatssekretär Hans-Joachim Otto

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Rede vom Parl. Staatssekretär Hans-Joachim Otto

PRESSEMITTEILUNG

17.05.2010

Rede vom Parl. Staatssekretär Hans-Joachim Otto

AUTONOMIK / Berlin

 

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich begrüße Sie sehr herzlich zur heutigen Auftaktveranstaltung beim neuen Technologieprogramm AUTONOMIK des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie.

AUTONOMIK steht für "Autonome und simulationsbasierte Systeme für den Mittelstand" und ist ein Baustein eines zukünftigen Internet der Dinge.

Wir meinen damit die Entwicklung von neuen intelligenten Werkzeugen und Systemen.
Systeme, die in stärkerem Maß als bisher eigenständig und insbesondere situationsgerecht handeln.

Im Mittelpunkt steht weniger die Großserienfertigung, sondern der Bedarf vor allem mittelständischer Anwender - z.B. in der Automatisierung der Einzelfertigung.

Es geht um mehr Flexibilität bei der Gestaltung hoch komplexer Systeme: Etwa um in einer Logistikkette in der Produktion mehr Effizienz und Qualität zu erzielen.

Der von Adam Smith geprägte Begriff einer arbeitsteiligen Wirtschaft und Gesellschaft kann auch auf die Welt der Maschinen und Produktionswerkzeuge angewandt werden.

Dann gilt auch dort das Delegationsprinzip.

Konkret bedeutet das: Automaten oder Roboter werden intelligenter.

Sie bewältigen nicht nur eigenständig ihre Arbeit, sondern delegieren Aufgaben auch an weitere, sozusagen als Spezialisten fungierende Werkzeuge.

Dabei ist natürlich die Vernetzung von Menschen ebenso wichtig.

Deshalb sind heute alle an AUTONOMIK beteiligten Partner eingeladen, ihre Vorhaben der Fachöffentlichkeit zu präsentieren und sich der Diskussion zu stellen.

Unser Ziel ist es, den Diskurs zwischen Wirtschaft und Wissenschaft weiter zu intensivieren.

Das Anliegen der neuen Bundesregierung und besonders des BMWi ist klar definiert.

Wir wollen im Rahmen der Technologiepolitik, dass wissenschaftliche Ergebnisse schneller in marktfähige Produkte und Lösungen umgesetzt werden.

Das erfordert, Bedarf und Umfeld von Nutzern und Anwendern frühzeitig zu berücksichtigen.

Nutzen Sie die heutige Gelegenheit zum Kennenlernen und zum gegenseitigen Austausch.

Meine Damen und Herren,

das so genannte "Internet der Dinge" gehört zu den Leuchtturmvorhaben, die sich Politik und Wirtschaft beim nationalen IT-Gipfel auf ihre Fahnen geschrieben haben.

Wir verbinden mit dem Internet der Dinge hohe Erwartungen und neue Chancen für unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft.

Es gibt zwar noch keinen klar abgrenzbaren Markt für das Internet der Dinge.

Aber es gibt Indikatoren für die zu erwartenden Marktpotenziale.

So beziffert eine Studie im Auftrag des BMWi die RFID-beeinflusste Wertschöpfung in den Bereichen produzierendes Gewerbe, Handel, Verkehr und Dienstleistungen für dieses Jahr bereits auf 62 Mrd. Euro.

Im Robotik-Bereich geht der VDMA davon aus, dass bis 2015 in allen produzierenden Unternehmen Roboter stehen.

In Geräten und Komponenten gelten heute bereits so genannte Embedded-Systems als Universallösung für sämtliche Steuerungs- und Kommunikationsaufgaben.

Programmierbarkeit, Speichervermögen, Sensoren und Kommunikationsfähigkeiten von Embedded-Lösungen ermöglichen es, Alltagsobjekte mit Intelligenz auszustatten.

Solche intelligenten Objekte sind zukünftig in der Lage, eigenständig Situationen zu erkennen und Aktionen auszulösen.

Sie können sich mit anderen Objekten und Systemen über das Internet vernetzen und Interaktionen mit Nutzern intelligent unterstützen.

Sie bekommen eine eigene im Internet adressierbare Identität.

Damit wird die virtuelle Welt des Internet quasi mit der realen Welt verheiratet.

Das Spektrum der Anwendungsfelder ist breit.

Es reicht bei AUTONOMIK von der Service-Robotik über die Produktions- und Transportlogistik bis hin zum Automobilbau.

Alle Projekte haben eine hohe Qualität.

Ich möchte beispielhaft nur zwei Projekte kurz vorstellen, ohne andere damit abzuwerten.

Spannend finde ich etwa ein Vorhaben in der Bauwirtschaft: Das AUTONOMIK-Projekt AutoBauLog.
Es ermöglicht, Aufgaben an autonom agierende Baumaschinen auf einer Großbaustelle zu delegieren.

Die Maschinen passen ihr Verhalten den örtlichen Gegebenheiten automatisch an.

Sie koordinieren sich im Team mit anderen Baumaschinen.

Eine zentrale Leitstelle muss sich nicht mehr mit allen Details befassen.

Sie erhält Rückmeldungen zum Baustellenfortschritt automatisch.

Ein weiteres Projekt befasst sich mit dem Konzept einer intelligenten Werkbank und zukunftsweisenden Formen der Mensch-Maschine-Interaktion.

RoRaRob will ein Assistenzsystem für komplexe Schweißaufgaben von schweren Teilen entwickeln, insbesondere für den Einsatz in der mittelständischen Fertigung.

Das robotergestützte System plant Abläufe und bewegt Werkstücke in für den Bearbeiter notwendige Positionen.

Gleichzeitig empfiehlt es Werkzeugeinstellungen.
Diese und die weiteren Projekte werden ja später noch im Detail vorgestellt.

Ich freue mich darauf!

Meine Damen und Herren,

das Technologieprogramm AUTONOMIK ist natürlich nur ein Baustein in einem Gesamtkonzept.

Wir entwickeln zur Zeit eine neue IKT-Gesamtstrategie zur "digitalen Zukunft" Deutschlands.

Dabei wollen wir die Wirtschafts- und Technologiepolitik noch stärker integrieren.

Die frühzeitige Zusammenführung von Wissenschaft, Technologieanbietern und insbesondere Anwendern, auch aus dem Mittelstand, ist dabei ein wichtiges Element.

Entscheidend für den Markterfolg sind häufig Vorzeigelösungen und Referenzen von Erstanwendern.

Das wird bislang leider vielfach nicht beachtet.

Zum wichtigen Kern der strategischen Ausrichtung der Technologiepolitik gehören vor allem Innovationen im Bereich des Internet.

Wir müssen und werden das Internet zu einer leistungsfähigen Wissensinfrastruktur ausbauen.

Im Kern geht es dabei um eine Optimierung der internetbasierten Prozessorganisation.

Und zwar auf Basis aktueller und jederzeit verfügbarer Informationen sowie digitaler Interaktionsmöglichkeiten.

Hier setzt das Leuchtturmprojekt THESEUS an, dem zur Zeit größten vom BMWi geförderten IKT-Vorhaben.

Es geht um ein neues Modell für die Schaffung, die Verknüpfung und den Handel von internetbasierten Diensten für unterschiedlichste Anwendungen.

Die Vision ist ein zukünftiges Internet der Dienste, gerade hochwertiger Dienste.

Ein weiteres Hauptthema ist die Energiewirtschaft.

Hier zielen wir mit dem Vorhaben E-Energy auf ein zukünftiges "Internet der Energie".

Es soll sämtliche Energiewirtschaftsprozesse intelligent verknüpfen und steuern: Von der Erzeugung bis hin zum Verbrauch, sowohl auf der technischen Betriebsebene als auch auf der Ebene der Geschäftsprozesse.

Es gilt, mit Hilfe von SmartGrids ein Höchstmaß an Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Umweltverträglichkeit zu erreichen.

Sehr verehrte Damen und Herren,

heute wird der Förderschwerpunkt AUTONOMIK vorgestellt.

Insgesamt 12 Projektverbünde haben sich bei AUTONOMIK für eine Förderung qualifiziert.

Hier und heute kommen sie das erste Mal zusammen.

Rund 80 Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen wirken an den Vorhaben mit.

Referenzmodelle und Demonstratoren sollen dazu beitragen, Machbarkeit und wirtschaftlichen Nutzen von autonomen Systemen nachzuweisen.

Ich erwarte mir Impulse vor allem für mittelständische Hersteller und Anwender in den Bereichen Produktionslogistik, Materialbearbeitung und Montageablauf, aber auch für weitere Wirtschaftssektoren.

Eine wichtige Schlüsselrolle bei AUTONOMIK hat zudem der Automobilsektor.

Ich freue mich, dass maßgebliche deutsche Automobilhersteller und mittelständische Zulieferer - einschließlich der IKT-Industrie - in einem großen Technologieverbund erstmals ein gemeinsames Vorgehen zur branchenweiten Einführung von RFID vereinbart haben.

Hier sollen entlang der gesamten Wertschöpfungskette Standards und konkrete Umsetzungsmaßnahmen für optimale RFID-basierte Logistikprozesse definiert und erprobt werden.

Meine Damen und Herren,

den Erfolg der Fördervorhaben wollen wir nicht nur an wissenschaftlichen Ergebnissen messen.

Sondern vor allem am Marktpotenzial entstehender Lösungen.

Dazu unterstützen wir das Förderprogramm zusätzlich: Mit einer wissenschaftlichen Begleitforschung und Evaluierung.

Die Begleitforschung wir auch projektübergreifende Querschnittsthemen bearbeiten.

Hierzu gehören technologische und ökonomische Fragestellungen, wie etwa Nutzerakzeptanz, Geschäftsmodelle oder rechtliche Hemmnisse.

Außerdem soll die Begleitforschung mit Netzwerkaktivitäten die Kommunikation und den Erfahrungsaustausch z.B. mit Anwenderbranchen anregen.

Dadurch können wir frühzeitig den Technologietransfer vorantreiben.

Wichtig sind uns auch internationale Vergleiche, ein Benchmarking, damit wir wissen, wo wir stehen und was bei der Projektsteuerung noch verbessert werden kann.

Zusammen mit der Eigenleistung der beteiligten Industriepartner beläuft sich das Programmbudget von AUTONOMIK auf ca. 80 Mio. Euro.

Davon trägt das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie einen Anteil von ca. 35 Mio. Euro als Förderung.

Gerade in Zeiten knapper Kassen möchte ich Sie darum bitten, diese Chance verantwortungsvoll zu nutzen.

Allen Projekten wünsche ich einen erfolgreichen Verlauf.

Ihnen allen wünsche ich eine spannende Konferenz und gute Gespräche.